Herz, Kampf, Verlängerung: Sensationelles Comeback sichert Playoffs
Was für ein Spiel für die io College Wizards im Saisonfinale! Für beide Teams war die Ausgangslage klar: Der Sieger zieht in die Playoffs ein, für den Verlierer beginnt die Offseason. Nach der Niederlage gegen Reutlingen waren die KIT-Basketballer im „Refuse to lose“-Modus und wollten ihre letzte Chance in Saarlouis unbedingt nutzen.
Was dann in der gut gefüllten Stadtgartenhalle passierte, raubte den Zuschauern den Atem. Das erste Viertel – wie auch die gesamte erste Hälfte – gehörte klar den Gastgebern. Die Sunkings starteten furios und trafen aus allen Lagen. Gleich im ersten Angriff versenkte Piprek einen Dreier aus der Ecke.
Bei beiden Teams war die Energie und der Wille spürbar, doch die Wizards ließen in der Defensive immer wieder Lücken, die die Sunkings gnadenlos bestraften. Nach einem 13:6-Lauf sah sich Headcoach Seatovic früh zur ersten Auszeit gezwungen. Doch auch danach fanden die Wizards nur schwer ins Spiel, und das erste Viertel ging deutlich mit 30:20 an Saarlouis.
Auch im zweiten Viertel zeigte sich zunächst kein anderes Bild. Die Gastgeber spielten nahezu perfekt, bewegten den Ball stark und erstickten kleine Läufe der Wizards sofort im Keim. Der Rückstand wuchs zwischenzeitlich auf 18 Punkte an.
„Wir konnten die Energie der Sunkings zu Beginn nicht matchen und waren ständig einen Schritt zu spät. Offensiv hatten wir zwar unsere Schwierigkeiten, waren aber auf einem guten Weg. Wichtig war, dass das Team zu keinem Zeitpunkt das Selbstvertrauen oder den Willen verloren hat. Wir wussten, dass die Wurfquote des Gegners irgendwann nachlassen würde und wollten konstant bleiben. Unser Ziel war es, mit weniger als zehn Punkten Rückstand in die Halbzeit zu gehen – das ist uns fast gelungen“, so Headcoach Seatovic.
Zur Halbzeit stand es 51:38 für die Sunkings. Doch nach der Pause zeigten die Wizards ein völlig anderes Gesicht. Das Team um Kapitän Ilzhöfer demonstrierte, warum es seit drei Jahren die beste Defensive der Liga stellt. Mit einem 13:2-Lauf kamen die Gäste direkt zurück ins Spiel.
Auch offensiv fanden die Wizards ihren Rhythmus. Das Trio Davis, Hennen und Ilzhöfer zwang die Gastgeber zur Auszeit – ohne großen Effekt. Die Wizards blieben dran, drehten das Spiel und gingen mit einer 64:62-Führung in den Schlussabschnitt.
Im vierten Viertel entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Die Führung wechselte mehrfach, kein Team konnte sich entscheidend absetzen. Kurz vor Schluss führten die Sunkings mit 78:76, doch die Wizards glichen durch Niklas Weise aus. Der letzte Angriff blieb ohne Erfolg – es ging mit 78:78 in die Verlängerung.
Die Overtime begann stark für die Wizards, die sich zunächst leicht absetzen konnten. Beide Teams waren sichtlich erschöpft, viele Würfe verfehlten ihr Ziel. Doch die Sunkings kämpften sich zurück und glichen 1:51 Minuten vor Schluss zum 85:85 aus. Auszeit Wizards!
„Da ging es weniger um Taktik, sondern darum, den Jungs kurz Luft zu geben. Die Intensität war da – wir mussten nur für die letzte Minute einen klaren Kopf bekommen. Das hat funktioniert“, erklärte Seatovic.
Die Wizards nutzten anschließend ein „Missmatch“ unter dem Korb: Niklas Weise fand mit einem perfekten Pass Malchevskyi, der per Dunk auf 87:85 stellte – bei noch 45 Sekunden auf der Uhr. Mit noch zwei Teamfouls agierten die Wizards clever, stoppten die Uhr taktisch und zwangen die Sunkings zu schwierigen Abschlüssen. Nach einem Fehlwurf sicherten sich die Wizards den wichtigen Rebound. Ein schnelles Foul an Sam Stockton brachte ihn an die Linie – doch beide Freiwürfe verfehlten ihr Ziel. Stockton reagierte jedoch am schnellsten, sicherte sich den Offensivrebound und ließ damit wertvolle Sekunden von der Uhr laufen. Anschließend wurde der gut aufgelegte Vincent Hennen gefoult.
Hennen blieb eiskalt und verwandelte beide Freiwürfe sicher – 89:85 für die Wizards und eine hervorragende Ausgangsposition. Zwar nahmen die Gastgeber noch eine Auszeit – was das Regelbuch in dieser Situation eigentlich nicht zulässt – doch auch das brachte die Wizards nicht aus dem Konzept. Dann wurde es noch einmal dramatisch: Yorke Aav traf einen wilden Dreipunktewurf aus rund neun Metern und brachte die Sunkings wieder auf 88:89 heran. Doch die Wizards behielten die Nerven, nutzten die Räume gegen die Presse der Gastgeber und antworteten prompt: Malchevskyi setzte mit einem krachenden Dunk zum 91:88 nach.
Der letzte Wurf der Sunkings verfehlte sein Ziel – und die Wizards brachten den Krimi-Sieg über die Zeit.
„Die Mannschaft hat großen Charakter gezeigt, ein verrücktes Spiel gedreht und sich noch die Playoffs gesichert. Wir haben schwierige Wochen hinter uns, aber unser Ziel trotzdem erreicht. Jetzt gelten die Playoff-Regeln – und da wollen wir unser Bestes zeigen“, so Headcoach Seatovic.
Das erste Playoff-Spiel findet in Schwenningen statt, das Rückspiel steigt am 10.04. in der Friedrich-List-Halle. Weitere Informationen zu den Playoffs folgen in Kürze.